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Nahkampf

Aktualisiert: 17. Feb.





Entspanntes Fahren gibt es in Sierra Leone nicht!


Auch wenn man sonst auf viel Gelassenheit im Land trifft (man kann ja eh nichts ändern), hört im Verkehr der Spaß auf.

Auf den Straßen und in den Städten herrscht eine unvorstellbare Hektik.


Und gleichzeitig breiten sich zum Zwecke eines guten Umsatzes gerade an den am stärksten befahrenen Stellen Händler gerne auch in den fließenden Verkehr hinein aus.

Die reichlich anwesenden Polizisten und Polizistinnen (nicht wenige mit Sturmgewehren und im blauen Kampfanzug) beschränken sich überwiegend auf eine beobachtende Rolle. Wie soll man auch ein solches Chaos regeln?

Aber es gibt dann auch immer wieder strenge Verkehrskontrollen vorzugsweise zur Hauptverkehrszeit mitten auf den Hauptverkehrsadern einer Stadt.

Wird man angehalten, werden einem unverzüglich die Verfehlungen samt Paragraph und zu bezahlender Strafe aufgezählt. Zeigt man sich einsichtig, erklärt einem der freundliche Police-Officer den alternativen Ausweg aus der Misere: Eine weit geringere Strafe ... natürlich ohne Beleg. Für gesetzestreue Menschen eine schwierige Situation.

Zum Glück werden UMC-Fahrzeuge dank dem hohen Ansehen unserer Kirche meistens durchgewunken.


Die Überlebenswahrscheinlichkeit für ungeschützte Fußgänger und Fahrradfahrer liegt bei ca. 30 sec ab Teilnahme am Verkehrsgeschehen.

Mit etwas Übung versteht man aber irgendwann und irgendwie die Verkehrsströme und kann sich dann mutig ins Gewühl stürzen. Nur nicht abrupt anhalten!




Es gilt das Recht des Schnelleren, aber durchaus auch das Recht des Stärkeren.

Das größere Fahrzeug hat Vorfahrt. Das wird von allen ganz selbstverständlich akzeptiert.

Schließlich sichert man damit sein eigenes Überleben.

Oder macht es Sinn, sich als Motorradfahrer mit einem Lkw anzulegen?

Da bin ich durchaus dankbar, dass als Dienstfahrzeug ein stabiler Landcruiser angeschafft wurde. Dieser wird allgemein als Verkehrsgegner ernst genommen.




Außerhalb der Ballungszentren findet man sich oft auf vom Regen stark beschädigten Pisten (rough roads) wieder.

Auch wenn die vollkommen überladenen Nissan-Taxies Erstaunliches leisten, ist ein schwerer Geländewagen dafür eigentlich unentbehrlich.

Die leichten Motorräder schlagen sich dennoch - selbst mit voller Ladung (z.B. 4 Personen und eine Ziege) - erstaunlich gut. Respekt vor den meist jungen Fahrern, die ihr Moped auf dem Tank sitzend steuern!







Das geht natürlich alles auf´s Material. Reifenpannen sind an der Tagesordnung.

Hier gilt dann das alte Jungschar-Motto: "Allzeit bereit!" oder "Be prepared!"





Auf den wenigen asphaltierten Straßen (Highways) lauern wieder andere Gefahren.

Man begegnet abenteuerlich zusammengeschusterten Fahrzeugen. Manche Lkw haben auf der einen Seite 3 auf der anderen Seite 4 Räder … wobei nicht immer auf der Felge auch ein Reifen montiert ist. Schon mal gut ist, wenn die Achsen rechtwinklig zur Fahrtrichtung befestigt sind, damit das Fahrzeug nicht schräg zur Fahrbahn daher kommt.



Niemand würde verstehen, wenn der Laderaum nicht maximal ausgenutzt werden würde.

Es gibt kein Fahrzeug, das nicht komplett überladen ist. Oft ist die auf dem Dach aufgesetzte Fracht höher als das eigentliche Fahrzeug. Aus allen Fahrzeug-Öffnungen quillt Gepäck, mühsam von Stricken und Gummibändern zusammengehalten. Drinnen sitzen in maximaler Packungsdichte die Passagiere zusammen mit ihren Tieren. Junge Männer und Ziegen werden aber auch gerne "oben" oder am Heck hängend untergebracht.




Richtig gefährlich wird’s in der Dämmerung. Wozu auch Lichter? Schnell noch nach Hause!

Ersatzweise wird mit Warnblinker gefahren, wobei da vielleicht auch bloß eine der Lampen leuchtet.

Das Abblendlicht funktioniert sowieso sehr selten (da abgenutzt), also Fernlicht … Hauptsache man wird gesehen.

Die etwas verständigeren Fahrer verzichten auf eine dauerhafte Blendung des Gegenverkehrs, halten ihr Fahrzeug unbeleuchtet, um dann wenige Meter vor dem Zusammenstoß zu "flashen".

Aber es gibt auch verantwortungsvolle Driver, die ihre Fahrzeuge individuell und liebevoll mit einer weihnachtsbaum-ähnlichen Beleuchtung "Marke Las Vegas" ausstatten. Besonders beliebt sind stroboskobische Effekte. Da kann man eigentlich nur noch die Augen schließen.

Wir haben aber auch schon überlegt, nachts mit Schweißerbrille zu fahren. :-)


Bei Tag verdunkelt sich in und außerhalb der Städte nicht selten die Sonne ob der Dieselrußwolken. Asthmatiker sollten lieber mit der Bahn fahren … wenn es sie denn gäbe.




Unvermeidlich sind (auch bei größter Vorsicht) kleine Beschädigungen am Fahrzeug.

Auch größere Treffer haben unsere Fahrzeuge schon einstecken müssen.


Gemessen am Verkehrsaufkommen und den geschilderten Umständen passiert erstaunlich wenig, aber es kommt dennoch immer wieder zu teils furchtbaren Unfällen.





Personenschäden führen immer zu großem Mitgefühl und Wehklagen, aber selten zu Verhaltensänderungen.

Meinem Eindruck nach wird aber von staatlicher Seite einiges getan, um etwas mehr Ordnung und Sicherheit in den Verkehr zu bringen.



Aber auch hier gilt: Verhaltensänderungen sind schwierig.


Jedenfalls habe ich hier eine neue und positivere Sicht auf unsere StVZO in Deutschland bekommen: Persönliche Freiheit ist nicht alles!







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